HDR Fotografie

High Dynamic Range oder kurz HDR Bilder sind Aufnahmen, die meist aus einer Belichtungsreihe entstehen. Man kann die Technik künstlerisch verwenden oder Bilder die aufgrund ihres Dynamikumfangs in den Tiefen oder Lichtern ausfressen, perfekt bearbeiten.

Die Technik wird sehr gerne bei Gegenlichtsituationen in Bauwerken, Landschaften aber auch diversen anderen Szenarien verwendet. Gerade Einsteiger sind oft von den technischen Möglichkeiten fasziniert und können so spielerisch mit Ihren Bilder arbeiten.

Im Kurs sehen Sie wie mit Photomatix, Photoshop oder NIK Software Bilder in HDR erstellt werden. Mit dem richtigen Tonemapping werden auch Ihre Bilder schnell zum Hingucker. Ebenso läßt sich damit ein 32 Bit HDR erstellen, das ab Lightroom 4.2 oder Bridge CS6 bearbeitet werden kann.

Gerne können Sie Ihr Notebook mitnehmen. Photomatix und Co. können Sie als Demoversion herunterladen und so bereits während des Trainings mitmachen. Da beim fotografieren Ihre Kamera Belichtungsreihen (AEB) unterstützen muss, können Sie auch diese mitbringen. Sollte Ihre Kamera kein AEB unterstützen, so können Sie die Bilder auch einzeln fotografieren oder aus nur einer RAW Aufnahme ein Pseudo HDR erstellen. Ebenso besteht die Möglichkeit einen Hardware Auslöser zu verwenden, der dann auch bei Kameras ohne AEB Funktion beliebig viele Einzelbilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten ermöglicht.

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Preise

1 Abend: 28 EUR

Inhouse Schulungen

Für unsere gewerblichen Kunden bieten wir alle Kurse auch als Inhouseschulung zu unseren regulären Stundensätzen an. Diese finden Sie unter Preise.

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Kurswiederholung zur HDR Bearbeitung

Viele die zum ersten mal von HDR hören sind von der Technik begeistert. Auch die Bearbeitung scheint auf den ersten Blick sehr einfach zu sein. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch erheblich und die Fehlerquellen sind vielfältig. Daher zeige ich Ihnen hier verschiedene Möglichkeiten der HDR Erstellung, vor allem aber wie Sie Fehler vermeiden.

RAW als Basis für HDRs

Der Name HDR sagt es bereits, es handelt sich um High Dynamic Range Bilder, also Bilder mit sehr hohem Dynamikumfang. Daher können gute HDR Bilder nur aus RAW Bildern entstehen. In den Fotokursen I und II lernen Sie die erforderlichen Grundlagen, vor allem aber auch die Unterschiede zwischen JPG und RAW. Daher hier nur in aller Kürze die Vorteile des Kamera RAW Formats:

  • Bei 16Bit stehen über 4096 Helligkeitsstufen je Farbkanal zur Verfügung
  • Objektivkorrekturen incl. Vignettierungsentfernung
  • Chromatische Abberationen können entfernt werden
  • Longitudinale Chromatische Abberationen können entfernt werden
  • Ein Presharpening der Bilder ist sehr gezielt möglich (TIPP: Für eine noch bessere Schärfung der RAW Bilder empfehle ich Capture One)
  • Farbrauschen kann wirkungsvoll entfernt werden
  • Weissabgleich und Kontraste können optimiert werden
  • RAW Bilder können ohne größere Verluste in 16 Bit TIFF Bilder konvertiert werden

Im Vergleich dazu stehen im JPG Format nur 8 Bit zur Verfügung. Das entspricht 256 Helligkeitsstufen pro Farbkanal. Sämtliche Korrekturen sind entweder gar nicht oder nur eingeschränkt möglich.

TIPP: Ohne RAW keine guten HDRs. Jedoch empfiehlt es sich nicht, diese direkt im HDR Programm zu verwenden, sondern diese vorher in ein 16 Bit TIFF umzuwandeln. Ebenfalls ist es möglich die Bilder auch direkt als 32 Bit TIFF zu konvertieren und dann sofort im RAW Konverter zu bearbeiten.

Reihenaufnahme im AEB Modus Ihrer Kamera

Ein gutes HDR besteht aus 3 oder mehr Bildern unterschiedlicher Belichtung. Dabei darf die Belichtung nicht über die Blende gesteuert werden! Das ist etwas verwirrend, denn die Einstellungen in der Kamera deuten erst mal auf eine Blenden Über- und Unterbelichtung hin.

Stellen Sie sich nur mal vor Sie würden ein Bild mit f:2.8, eines mit Blende 4 und eines mit 6.3, dann ist das Bild in Offenblende ganz anders in der Schärfe wie das in 6.3. Für ein HDR brauchen wir aber absolut identische Bilder was die Schärfe betrifft. Generell gefallen mir Bilder kleiner Blende 10 bei HDRs besser, daher benötigt man auch meist ein Stativ.

Am Beispiel der meisten Canon Kameras:

  1. Kamera auf Stativ
  2. Wählen Sie die optimale Belichtung für Ihr Motiv
  3. Menu -> AEB -> Set Taste und Spreizung auf 2 Blenden einstellen -> Set
  4. Aktivierung der Serienbildaufnahme
  5. Mit Fernauslöser auslösen

Ab der Canon 5DIII und 6D stehen eigene HDR Optionen zur Verfügung, die auch sofort ein HDR errechnen. Diese HDR Bilder sind noch nicht gut genug und dienen uns nur zur Vorschau. Wichtig ist also auch hier, dass die RAW Bilder auch wirklich gespeichert werden.

In 99% aller Fälle reichen 3 Aufnahmen. Bei einer Spreizung von 2 Blenden erhält man davon ausgehend, dass man im RAW Konverter relativ verlustfrei 2 Blenden über oder unterbelichten kann einen Dynamikumfang von 8 Blenden.

Bei einem Kamerakauf würde ich daher darauf achten, dass HDR mit 2 Blenden Differenz möglich sind. Einige Modelle bieten auch 3 Blenden bzw. erlauben auch 5, 7 oder 9 Bilder. In diesem Fall könnte man noch genauere Ergebnisse bei einer Bearbeitung erwarten.

Ich selbst erstelle in 99,9% aller Fälle 3 Bilder mit 2 Blenden Differenz.

Der Import der HDRs in den RAW Konverter

Ich empfehle in jedem Fall einen guten RAW Konverter wie Lightroom oder Bridge zu verwenden. Hier können Sie die Bilder mit Strg+G oder cmd-G auch in eine Gruppe zusammenfassen. Anschließend beginnt der bei mir immer gleich Prozess, den Sie im Lightroom oder Bridge Kurs erlernen können. Hier daher zusammenfassend:

  1. Das normalbelichtete Bild auswählen
  2. Objektivkorrektur
  3. Chromatische Fehler entfernen
  4. Falls noch Farbkonterminationen in Ästen oder an Hochkontrastkanten bleiben: Logitudinale CAs korrigieren
  5. Presharpening; hierbei sehr wichtig die Maskierung, da sich alle Pigmente im HDR verstärken können.
  6. Farbrauschen entfernen
  7. Weißabgleich bzb. Farbtonanpassung
  8. Kontrast und Dynamikanpassung

Diese Einsellungen übernehme ich dann mit Einsellungen kopieren auf die anderen Bilder der HDR Serie.

Es geht hier nicht darum ein perfektes Bild zu erhalten, oft werden Sie aber feststellen, dass gerade in der Prozessversion 2012 des Kamera RAW Konverters von Adobe gar keine HDRs mehr erforderlich sind.

Die 3 RAW Bilder müssen wir nun als TIFF exportieren.

Als bessere alternative zur Adobe Software kann ich Capture One empfehlen. Hier ist die Schärfe nochmals deutlich besser und auch hier lassen sich die Bilder als TIFF exportieren. Zudem Verfügt Capture One über eine geniale HDR Funktion, die zwar keine Belichtungsreihen verarbeiten kann, jedoch sehr gute Pseudo HDRs erstellen kann. Eine Funktion, die man in Lightroom oder Bridge vergeblich sucht.

Warum ein TIFF Export?

Grundsätzlich können Programme wie Photomatix auch RAW Dateien direkt verarbeiten. Jedoch werden Ihre Einstellungen nicht übernommen. Es arbeitet also ein eigener RAW Konverter im HDR Programm. Das Ergebnis dieses internen Konverters ist jedoch niederschmetternd. Gleiches gilt auch für alle die Ihre Bilder in PTgui als Panoramamen zusammenbauen wollen.

TIPP: Sie sollten in keinem Fall direkt das RAW in externen Programmen wie Photomatix oder PTgui verwenden.

In der Bridge markieren Sie die ganze HDR Serie und klicken:

  1. Werkzeuge
  2. Photoshop
  3. Bildprozessor

Hier können Sie nun auch TIFF Dateien exportieren, am besten gleich in einen eigenen Unterordner, da zum Bild noch weitere Bearbeitungsschritte anfallen werden.

Welches Programm für unser HDR Foto?

Die Qual der Wahl ist groß neben einigen Freeware Produkten möchte ich die Platzhirschen am Markt vorstellen. Diese bieten aus meiner Sicht auch die besten Ergebnisse:

  • Lightroom ab Version 4.2 und Bridge CS6
  • Photoshop
  • Photomatix
  • NIK HDR Efex Pro

Ein wenig Abseits möchte ich hier auch noch folgendes nennen:

  • Canon's Digital Photo Professional ab Version 3.12.52

Sehr gerne nehme ich an dieser Stelle noch weitere Programme auf, werde diese aber einer kritischen Prüfung unterziehen.

Ebenenüberblendung vs. HDR Programm

Gerade in Landschafts- und Architekturaufnahmen liefert diese Technik meist das beste Ergebnis. Das Vorgehen ist dabei wie folgt:

  1. Bearbeiten Sie alle Bilder Ihrer HDR Serie bestmöglich
  2. Imortieren der Serie in Photoshop Ebenen (geht natürlich auch in Gimp)
  3. Legen Sie invertierte Masken an (oder wandeln Sie weiße Masken mit Strg+i bzw. cmd+i um)
  4. Jetzt haben Sie freie Hand. Meist nutze ich das Verlaufsverkzeug oder Pinsel
  5. Bei Architektonischen Bildern hilft das Pfadwerkzeug.
  6. Ist das Ergebnis perfekt, kann alles auf eine Ebene reduziert werden
  7. Scharfzeichnen über Hochpass Filter oder NIK Output Sharpener
  8. Export als 8 Bit JPG

Bei dieser Technik brauchen Sie auch nicht zwingend 16 Bit Ausgangsbilder. Hier kann auch mit 8 Bit ein hervorragendes Ergebnis erzielt werden.

Lightroom und Bridge

bieten zwar keine eigene HDR Verarbeitung, können aber 32Bit HDRs verarbeiten. Man erstellt also erst ein HDR in 32 Bit (z.B. in Photoshop HDR Pro, Photomatix Plugin: Merge to 32 Bit HDR) und bearbeitet dieses BIld dann wie ein normales RAW Foto. Lange Zeit habe ich das nicht genutzt, muss aber zugeben, dass es nahezu das beste Ergebnis liefert, da hier auch selektive Bearbeitungen möglich sind.

Merge to 32-bit HDR Plug-in for Lightroom

Mit diesem Plug-in können Sie per Knopfdruck 32 Bit TIFF Bilder aus Belichtungsreihen erstellen. Eine wirklich geniale Lösung, da hier nur die einzelnen Bilder übergeben werden müssen und anschließend Freihandbilder ausgerichtet werden und Geisterbilder automatisch entfernt werden. Das Plug kostet derzeit 29$ und ist derzeit leider nur für Lightroom erhältlich. Da ich selbst mit der Bridge arbeite, muss ich wohl noch ein wenig warten. Für mich also ein guter Grund auch mal in Lightroom vorbeizuschauen.

Zu finden ist das Tool auf:
http://www.hdrsoft.com/download/merge_lrplugin.html

Für Käufer von Photomatix 4 ist das Plug-in kostenlos. User die Ihre Version nicht bei HDRSoft erworben haben erhalten beim Support neue Seriennummern. In meinem Fall innerhalb von 24 Stunden. Solange der Lizenzschlüssel nicht eingetragen wird, läuft das Plug-in als Demoversion und fügt mehre Photomatix Wasserzeichen in das errechnete TIFF Bild ein.

Eine alternative Lösung ist HDR Pro im Photoshop CC. Hier können ebenfalls 32 Bit HDR erstellt werden und sofort in Camera RAW weiterbearbeitet werden. Photomatix und auch alle anderen HDR Programme sind somit zumindest für Einzelbilder nicht mehr unbedingt erforderlich.

Photoshop HDR Pro

Erlaubt zwar einige Einstellungen, liefert aber ohne eine weitere Bearbeitung nur mäßige Ergebnisse. Wird das Bild allerdings nur als Grundlage für eine Photoshop Ebene benötigt, dann ist es völlig OK. Obwohl ich also mit den 8 und 16 Bit Varianten incl. Bearbeitung nicht zufrieden bin, so nutze ich die HDR Pro Funktion in letzter Zeit sehr oft, da hier auch das 32 Bit Bild erzeugt werden kann. Dieses benötigt keine weiteren Einstellungen und kann sofort nach dem erstellen als 32 Bit TIFF in unseren vorher erstellten Ordner exportiert werden. Weiters lesen Sie unter Lightroom und Bridge.

Photomatix

Photomatix ist mit Recht, das bekannteste HDR Tool. Neben zahlreichen verschiedenen Verrechnungsmethoden stehen hier auch Funktionen wie Geisterentfernung und Vorschaufunktionen bereit. Die Einstellungen sind sehr umfangreich und so liegt es an Ihnen, das ganze nicht zu übertreiben.

Warum das Programm unersetzbar ist, liegt vor allem an der Möglichkeit der Batch Verarbeitung. So können z.B. alle Bilder eines HDR Panoramas in einem Rutsch exportiert werden. Auch hier ist es gut, einen eigenen Ordner angelegt zu haben.

Photomatix Batch Modus für Panorama Fotografie in HDR

Sobald Sie ein Panorama als HDR fotografieren, spielt Photomatix mit seinem Batch Modus seine Vorteile aus. Im Beispiel können Sie schön erkennen, dass es durch die enormen Schatten und Lichter in den Wolken nicht ohne HDR funktioniert. Die Bilder sind mit 16mm auf Vollformat aufgenommen. Daher ist das HDR Panorama zwingend erforderlich. Gleiches gilt auch für alle HDR Kugelpanoramen.

Photomatix erstellt aus den 12 Einzelaufnahmen 4 TIFF Bilder, die dann in Photoshop etc... als Panorama zusammengesetzt werden können. Ebenfalls wird hier Kontrast, Farbe und Scharfzeichnung das Bild perfektionieren.

NIK HDR Efex Pro

Zuerst hat es mich gewundert, dass dieses Programm keine RAW Dateien verarbeiten kann. Erst nach der optimierung meines Workflows ist mir bewusst geworden, dass das so vällig in Ordnung ist. Hier wird man also gezwungen, mit TIFF Bildern zu starten. Viele Vorschaubilder liefern gute Grundeinstellungen für eine weitere Bearbeitung. Wie alle Softwareprodukte aus dem Hause NIK, so ist auch HDR Efex Pro als ausgereift zu bezeichnen.

Digitalphoto Professional

Seit der Version 3.12.52 steht unter dem Menupunkt

  • Extras -> HDR Werkzeug

die Möglichkeit zur Verfügung HDRs zusammenzurechnen. Der Vorteil ist, dass die Bearbeitung der RAWs bei der Übergabe berücksichtigt wird. Dafür dauert dieser Vorgang aber relativ lange. Die Qualität ist trotz weniger Regler erstaunlich gut. Der Export ist leider nicht als 32 Bit Version möglich, jedoch als 16 Bit Tiff. Das Bild kann dann am besten mit einem RAW Programm das eine selektive Bearbeitung zuläßt oder in Photoshop, Gimp etc... perfektioniert werden.

Für einen ersten Einstieg in die HDR Entwicklung ist das Tool daher für Canon Nutzer super geeignet.

Auch hier habe ich das Cathedral Cove Foto bearbeitet und bin vom Ergebnis positiv überrascht. Keine Halos, keine Auslöschung von Details. Leider ist das DPP nicht für eine selektive Bearbeitung ausgelegt, daher gilt das gleiche wie auch für alle anderen HDR Programme: Eine zusätzliche Bearbeitung ist sinnvoll.

Fazit meiner Tests

Photomatix, war lange Zeit mein Favorit und ist wegen der Möglichkeit der Batchverarbeitung für Panoramafotos unverzichtbar. Geht es um natürliche HDR Aufnahmen, so ziehe ich die 32 Bit HDR Verarbeitung mit Photoshop und Bridge CS6 bzw. Lightroom 4.2 vor. NIK HDR Efex Pro ist bei der NIK Complete Ultimate ohnehin mit dabei und liefert mir eine Dritte Meinung.

TIPP: Alles was ohne HDR geht, wird ohne HDR bearbeitet! Nicht nur aus Zeitgründen. Das Ergebnis ist meist natürlicher. Oft reicht auch nur eine Ebenenüberblendung in Photoshop mit einem zweiten Bild.