360° Kameras

Die Fotowelt beginnt sich zu ändern. Keine Kompaktkameras, keine wirklichen neuen Modell bei den etablierten Herstellern und Hersteller wie Nikon, die auf Actionkameras setzen. Doch was steckt dahinter?

Einige Hersteller sehen offensichtlich einen großen Markt im Consumerbereich, was die neuen Möglichkeiten von Panorama und 360° Fotos / Videos in den sozialen Medien bereitstellen. Ja, sie vermuten Unmengen an Käufern, die plötzlich mit kleinen Kameras ergänzend zum Smartphone arbeiten und wollen sich aber auch auf der anderen Seite den Profibereich beibehalten. Aus meiner Sicht funktioniert das nicht, denn virtuelle Touren waren in der Vergangenheit recht aufwendig in der Fotografie, aber auch in der Bearbeitung. Die Kosten daher pro Bild eher hoch.

Die neue Technik könnte virtuelle Touren um den Faktor 10 günstiger machen und so liegt aus meiner Sicht ein gewaltiges Interesse im gewerblichen Bereich und so habe ich den Selbstversuch gemacht und mir so eine kleine 360° Kamera gekauft.

Welche Kamera kommt in Frage?

Bei der Suche nach 360° Kameras kommt man an Tetha S, Samsung Gear 360, Nikon KeyMission 360 und Panono nicht vorbei. Doch wo liegen die Unterschiede?

 
Samsung:
Die Samsung Gear 360 dürfte die beste Auflösung haben, zeigt aber in Videos deutliche Parallaxenfehler und läuft auch nur auf Samsung Geräten der aktuellsten Generation. Damit ist die Kamera weder preiswert, noch für fehlerlose Bilder zu gebrauchen. Testen würde ich sie trotzdem gerne, falls also jemand so ein Ding hat, dann rücken wir mal aus.
 
Nikon:
als einen geschätzten Kameraspezialisten habe ich mich auf die KeyMission 360 wirklich gefreut, doch schon bei der Vorstellung wurde ich bitter enttäuscht, da die Kamera leider kein RAW kann. Auch die geringfügig höhere Auflösung kann diesen Makel nicht beseitigen. Ja, auch andere können kein RAW, aber die Nikon ist eben neu. Als mir mein Fotohändler meines Vertrauens dann auch noch mitgeteilt hat, dass Nikon das Produkt nur über SMA vertreibt, also Saturn, Mediamakt und Amazon war mir klar, dass das nichts für Profis sein kann. Erste Videos zeigen enorme chromatische Fehler, so dass diese Kamera im gewerblichen Bereich wohl wenig Freunde finden wird. Es wurde leider so gut wie nichts über die Technik und mitgelieferte Software / Apps bekanntgegeben, so dass es wohl noch Monate dauern wird, bis Funktionen wie HDR oder spezielle Videocodecs zur Verfügung stehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und daher würde ich aus diese Kamera gerne testen.
 
Panono:
Teuer, hochauflösend, ohne RAW. Interessantes Produkt, dass aber kaum Informationen zu Stiching, chromatischen Fehlern und Naheinstellungsgrenzen zuläßt. Gute Idee, aber Größe und Preis sprechen derzeit nicht für das Produkt. Ich ordne es eher dem Fun Bereich zu, da damit Bilder durch werfen des Balls erstellt werden können. Hochzeiten, Partys etc... sind da sicher der perfekte Auftrag. Test bei dunklen Umgebungen oder z.B. im Kühlschrank etc... wären interessant.
 
Tetha S:
geringe Auflösung aber aber ansonsten perfekt was Hardware und Software betrifft. Alles klappt reibungslos und es stehen auch Apps mit automatischer HDR Erstellung zur Verfügung. Die Qualität ist tatsächlich beeindruckend und gerade so ausreichend, dass es für 360° Touren ohne große Zooms reicht. Für Gewerbe und Industrie ist sie daher derzeit die Preis-, Leistungstechnisch beste Alternative und wenn sich die anderen nichts einfallen lassen, wird das auch so bleiben.
 
Persönlich rechne ich in diesem Jahr nicht mehr mit bahnbrechenden Änderungen in diesem Kamerasegment. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass 2017 ein update zu diesem Artikel kommt.
 

Tetha S

Meine Erfahrungen mit der Tetha S sind durchwegs positiv. Natürlich habe ich allerhöchste Ansprüche an meine Bilder. Die Qualität entspricht in keinem Fall meinen Vorstellungen, aber ich muss auch den Preis für die Kamera berücksichtigen und die Tatsache, dass die Meisten meiner Kunden mit dieser Qualität mehr als zufrieden sind.

Der größte Vorteil besteht darin, dass die Kamera ein eigenes WLAN zur Verfügung stellt, damit kann man sich direkt mit seinem Smartphone verbinden. Ich habe das mit dem iPhone 6 gemacht und anschließend gleich mehrere Apps installiert. Die Qualität mit der Tetha eigenen Software war dabei nicht so gut wie die einer App für Tetha S mit HDR. Die Tetha eigene Software erlaubt zwar eigene Eigene Einstallungen, aber an Ende müsste ich ein HDR manuell schießen und dann auch selbst zusammenrechnen. Ohne HDR sind gerade in Räumen viele Dinge über- oder unterbelichtet. Eine Bearbeitung im JPG ist völlig ausgeschlossen und qualitativ unbrauchbar. Mit der HDR App für Tetha S ist das Ergebnis ausgesprochen gut, selbst direkte Gegenlichter steckt die Kamera mit nur ganz wenigen chromatischen Aberrationen weg. Das Bild wird auch gleich in der App verrechnet was sehr bequem ist. Einstellungen sind komischerweise gar nicht möglich, was aber OK ist, da die Kamera, wie auch alle anderen 360° Kameras nur über eine Feste Blende 2.0 verfügt. Die Blende könnte für gewerbliche Zwecke besser eine 8 sein, denn hier verwendet man fast immer ein Stativ. Objekte im Vordergrund sind scharf, in einiger Entfernung sieht man die Offenblende aber deutlich.

Das Stativ

Als Stativ eignen sich Selfiesticks mit kleinem Dreibein sowie Stativverlängerungen mit Kameragewinde. Ich habe mir einen Makrohelfer von Novoflex besorgt, so kann man mit nur 3 Stangen und einem Selfiestick höhen von 180 cm erreichen und diese auch flexibel ändern. Herausretuschieren muss man das dann aber trotzdem, geht aber viel schneller als bei einem großen Dreibeinstativ.

Software zur Beearbeitung

PTgui und Co. sind nicht mehr erforderlich. Lediglich ein Programm zum entfernen des Stativs im Nadirbereich ist falls gewünscht notwendig. Ich verwende hierzu Photoshop mit dem Polarkoordinatenfilter. Alternativ könnte man auch ein Logo anstatt des Stativs einblenden.

krpano für virtuelle Touren

Das derzeit beste Tour zur Erstellung von viruellten Touren aus equiregtangularen 360° Bildern ist nach wie vor krpano. Dieses wurde bezüglich VR sogar erheblich erweitert und läuft jetzt auch ohne große Programmierungen ohne Flash.

Beispielprojekt

Das erste Beispielprojekt ist erstellt und so könnt Ihr selbst sehen wie die Qualität der Kamera ist. Für die 20 Panoramen braucht man mit der Kamera 1-2 Stunden (Positionierung, WLAN Koppelung, HDR Fotografie, Transfer). Die Bearbeitung der Nadir-Bereiche, die Retusche von Staub, evtl. Farbsäumen und Schärfung braucht zusätzlich ca. 10 min. pro Bild. Die Erstellung der Tour mit 20 Bildern incl. Verlinkungen ca. 4 Stunden.

Damit steht dann ein komplett VR-taugliches Projekt zur Verfügung, das für Vertrieb, Web etc... verwendet werden kann. Damit sind natürlich unzählige Beispiele möglich und gerade dieses Projekt zeigt, dass die Naheinstellungsgrenze, die Größe und das Gewicht der Kamera, sowie ein sehr kleines Stativ unzählige Vorteile bieten.

Beispiel Kundenprojekt

www.dirschl.com/demo/tour_bhkw_1

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